Wenn man(n) ein Lymphödem hat. Teil 2

Ein Blogbeitrag von Jörg

Jörg Richter

Im Sommer 2016, ich hatte morgens noch einen Termin mit meinem Chef in einer unserer Niederlassungen im Saarland, auf dem Heimweg merkte ich schon, dass mit mir irgendetwas nicht stimmte. Mir war trotz sommerlicher Temperaturen kalt und ich zitterte. Das war ich so von mir gar nicht gewohnt. Mittags wieder im Büro angekommen habe ich mir dann den Rest des Tages frei genommen und mich zuhause erst mal ein wenig hingelegt. Als ich am späten Nachmittag aufwachte und meinem Laster des Rauchens frönen wollte hat es mich im Flur umgehauen und so lagen 130 Kg lebende Masse halb im Flur, halb im Bad. Bei meinen beiden Damen kam entsprechend Panik auf und der Rettungsdienst wurde verständigt. Ich kam also ins Krankenhaus. Hier bin ich dann beim Röntgen spontan ein zweites Mal kollabiert. Man hatte also Spaß mit mir. Nachdem ich eine Nacht auf der Überwachungsstation verbrachte ging es mir auf jeden Fall schon mal wieder ein wenig besser. Ich bin dann auf die normale Station verlegt worden.

 

Meine Zimmernachbarn waren ein schwerhöriger 92 jähriger Mann, welcher glaubte, dass wenn er nichts hört auch der Rest der Welt nichts hört. Also wurde entsprechend laut gesprochen oder auch geschrien. Der zweite Zimmernachbar war scheinbar der festen Überzeugung das Wasser allergische Reaktionen hervorruft und Körperhygiene nur etwas für Weicheier ist. Kurzum, es war laut, es roch ziemlich streng in diesem Zimmer, da wollte ich nicht bleiben. Kurzerhand viel mir doch ein das ich da so eine nette Zusatzversicherung habe. Also schnell meine Frau in die Anmeldung geschickt und 2-Bett Zimmer und Chefarzt Behandlung zugebucht. Schwupps kam auch schon die Schwester und meinte das man mich dann ja mal verlegen müsste. Nichts lieber als das. Also ging es auf die Privatstation wo es leider nur 1-Bett Zimmer gab. Aber man opfert sich ja ;-) 

Hier wurde dann auch erstmals ein Erysipel diagnostiziert. Dennoch wollte der Arzt alle Abflussstörungen abklären, so wurde ich komplett auf den Kopf gestellt, von MRT über CT wurde alles gemacht. Außerdem schickte man mich noch zum Hauseigenen Phlebologen. Also bin ich mit meinem Rollstuhl, welchen ich mittlerweile für die Ruhigstellung des Beines bei meinen Rauchergängen (oder Fahrten) bekam, zum Phlebologen. Nachdem ich mich frei machte, fragte dieser mich was ich den bei ihm wolle, ich hätte doch ein Lymphödem, er sei aber doch Phlebologe. Diese Frage konnte ich ihm natürlich nicht beantworten. Er fragte mich dann, ob ich den schon mal wegen meinem Lymphödem in der Földi-Klinik gewesen wäre. Diese Klinik war mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt und so bestand die Untersuchung darin, dass er mir im Internet die Seite der Földi-Klinik zeigte und mir erklärte was die dort so machen. Mit diesen Informationen ausgerüstet habe ich dann meine Recherche hierzu noch mehr intensiviert. Eine Klinik im Schwarzwald? Knapp 400 Kilometer von zu Hause weg? Ich habe dann meiner Frau davon erzählt und wir sind zu dem Schluss gekommen, warum nicht? Wenn es hilft.

Als ich dann wieder genesen nach zwei Wochen aus dem Krankenhaus wieder zuhause war habe ich erst mal meinen Hausarzt gewechselt. Ok, meine neue Hausärztin hatte auch keine Ahnung vom Lymphödem, schickte mich wieder zum Phlebologen. Der hatte aber scheinbar ein wenig Ahnung und verordnete mir dann Flachstrick Strümpfe und Zehenkappen in Kompressionsklasse 2. Außerdem ging von nun an zweimal die Woche zur Lymphdrainage und mein Lymphautomat zuhause staubte zuhause unter dem Bett so langsam ein. Die Strümpfe habe ich seither tapfer jeden Tag getragen. Die Zehenkappen waren nicht länger als 2 Stunden auszuhalten. Dann tat alles an den Füssen weh, also wurden diese natürlich nicht mehr getragen.

Ach ja, die Földi-Klinik, darum wollte ich mich ja nach meiner Entlassung auch noch kümmern. Also erst mal da angerufen und erkundigt wie man den am besten in die Klinik kommt. Also mit dem Auto oder dem Zug war jetzt nicht die Antwort die ich hören wollte ;-) Die Dame am Telefon gefiel mir schon mal, sie hatte den gleichen Humor wie ich. Kann aber auch am Nachnamen gelegen haben, der war zufälligerweise identisch. Sie erklärte mir dann, dass Berufstätige in der Regel über die Deutsche Rentenversicherung zu ihnen kämen und ich solle mich diesbezüglich am besten mal mit meiner Krankenkasse unterhalten. Die Krankenkasse schickte mir dann Unterlagen zur Beantragung einer stationären Rehabilitationsmaßnahme. Erst mal soweit ich das selbst konnte ausgefüllt und dann mit meiner Hausärztin zusammengesetzt und den Rest ausgefüllt. Anschließend hat sie mir dann noch meine komplette Krankenakte kopiert und so habe ich den Antrag mitsamt der Krankenakte wieder an meine Krankenkasse zurückgeschickt. Mittlerweile war es bereits Mitte November 2017. Nach ca. 4 Wochen kam dann ein Schreiben von der Deutschen Rentenversicherung das mein Antrag eingegangen sei und ich in spätestens 4 Wochen mit einer Entscheidung rechnen könne. Mmmh, da hätte man sich Porto sparen können. Das erste Schreiben kam Samstags und Montags war dann die Genehmigung für die Rehabilitationsmaßnahme in der Földi-Klinik Hinterzarten im Briefkasten.

Also wieder bei der Klinik angerufen, wie es denn nun weiter gehen würde. Man hat mir dann erklärt, dass ich demnächst noch ein Schreiben der Klinik bekäme wo mir die grobe Zeit mitgeteilt würde. Das Endgültige Datum würde mir dann ca. 2 Wochen vorher mitgeteilt. Uihh, das ist aber dann doch sehr kurzfristig. Also erst mal meinen Arbeitgeber informiert. Mit ihm dann auch noch ein paar Formulare der Rentenversicherung ausgefüllt. Da aber das Datum ja schon grob einzuschätzen war, war das dann auch bei meinem Arbeitgeber kein Thema.

Euer Jörg

Mehr über Jörgs Geschichte erfahrt ihr nächste Woche in Teil 3. Seid gespannt :)

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