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Sex mit Lipödem

Ein Blogbeitrag von Elsa Eckhardt

„Ich möchte ja… aber was ist, wenn er/sie mich dann nackt sieht???!! Oder mir weh tut???“ Unser ungewollter, täglicher Begleiter sorgt häufig für Gedanken, bei denen andere nur mit den Augen rollen. Er verunsichert und er deprimiert… und ohne die richtige Kompressionsversorgung bereitet er uns auch körperlichen Schmerz. Wie um alles in der Welt soll man bei diesen Gesichtspunkten den Kopf frei kriegen und sich fallen lassen? Und warum zur Hölle kann man dabei von der schönsten Nebensache der Welt sprechen???

Ja… mit einem Lipödem oder einem Lymphödem entspricht man nicht dem allgemeinen Schönheitsideal. Egal ob in Zeitschriften, im Fernsehen oder auf Social Media Kanälen – überall sehen wir diese „perfekten“ Menschen, die uns ein schier überragendes Leben suggerieren. Dabei wissen wir doch längst, dass diesem vermeintlichen Ideal mit Photoshop und anderen Werkzeugen auf die Sprünge geholfen wird. Nichtsdestotrotz übt es, vor allem auf junge Frauen, einen enormen Druck aus. Das macht unseren Status quo nicht einfacher.

Was also, wenn wir nun jemanden kennenlernen? Aus Erfahrung wissen wir, dass die wenigsten sofort wissen was ein Lipödem/Lymphödem ist. Erstrecht können wir kaum voraussetzen, dass unser Gegenüber erkennt, dass wir uns die Kilos nicht angefuttert haben, sondern an einer Fettverteilungsstörung leiden. Aber kommt es darauf überhaupt an? NEIN! Und genau das habe ich jahrelang selbst nicht verstehen wollen! Es ist uns selbst gegenüber ungerecht, wenn wir diese Erkrankung bei einem so schönen Prozess, wie dem des sich Verliebens, in den Mittelpunkt rücken und damit die Magie zerstören. Außerdem ist sicher, dass die Person, die uns kennenlernen möchte längst gecheckt hat, dass wir keine Supermodels sind – warum machen wir uns also verrückt? Ich für meinen Teil dachte immer, dass ich eventuelle Erwartungen nicht erfüllen könne und stand meinem Glück somit immer selbst im Weg.

Es scheint allerdings egal zu sein, ob wir frisch verliebt sind oder schon länger eine Beziehung führen. Ich höre immer wieder von Lip/-Lymphödemkämpferinnen, die sich genieren, sobald sie vor dem Partner/ der Partnerin nackt sind. Sex gibt’s grundsätzlich nur ohne Licht und der Kopf geht auch nicht so richtig aus… Wo bleibt da der Spaß, wenn wir nur damit beschäftigt sind, uns für uns selbst zu schämen? Oder anders gefragt, wie können wir es wagen, uns selbst so zu erniedrigen, dass wir für uns selbst Scham empfinden? Mit keinem anderen Menschen sind wir so unbarmherzig und streng wie zu uns selbst. Dabei sind wir doch der wichtigste Mensch in unserem Leben und sollten dafür sorgen, dass es uns gut geht. Denn nur dann geht es auch unserer Familie, unseren Kindern und auch unseren besten Freunden gut.

Auch ein erfülltes Sexualleben kann ohne Selbstliebe nur bedingt funktionieren. Höchstens dann, wenn man masochistisch devot veranlagt ist und seine Lust aus Erniedrigung gewinnt. Bei der überwiegenden Mehrheit ist das allerdings nicht der Fall und eines haben alle Präferenzen gemein – wir wollen geliebt werden. Daher sollten wir, nicht nur für guten Sex, zunächst bei uns selbst beginnen, eine gesunde Selbstliebe zu praktizieren.

 

Das Internet ist voll von Tipps und Tricks für mehr Selbstliebe. Außerdem gibt es hier eine großartige Community von Gleichgesinnten, die für einen wertvollen Austausch sorgt. Schöpfe deine Möglichkeiten aus und lass dich keines Falls von Social Media Figuren unter Druck setzen, die du noch nicht mal kennst und fernab jeder Realität leben. Wenn du dich bei Gedanken wie „…aber was ist, wenn er/sie mich dann nackt sieht?“ erwischst, mach dir bitte auch bewusst, wie sehr du dich damit selbst beleidigst. Sei selbstbewusst! Sei DU!

 

Autor: Elsa Eckhardt

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