Warum und wie habe ich eine Selbsthilfegruppe gegründet? Teil 2

Ein Bericht von Ute Neitzel

Das offizielle Gründungstreffen stand somit im Januar 2015 vor der Türe und wir hatten um Anmeldung gebeten. Der Raum der uns zur Verfügung stand, war für 36 Personen ausgelegt. Wir dachten das reicht vollkommen aus und waren total überrascht wie schnell die Anmeldeliste voll war. Unser Gründungstreffen war ein voller Erfolg. Aufgrund des Zeitungsartikels über die Gründung hat sich auch ein Vertreter der Firma VillaSana bei uns gemeldet und so war ganz schnell das Thema für das zweite Treffen gefunden.  Auch ein Sanitätshaus hat sich sofort bereit erklärt einen Abend über die richtige Bestrumpfung und die verschiedenen Hersteller zu gestalten. Dann hat sich noch eine Dame der LKZ ( Ludwigsburger Kreiszeitung ) bei uns gemeldet, die jeden Mittwoch für die Gesundheitsseite einen großen Artikel schreibt. Sie wollte unsere Gruppe kennen lernen und über unsere Erkrankung und was der Besuch in einer Selbsthilfegruppe bringt, berichten. Auf Grund dieses großen Berichtes in der Zeitung wurden wir regelrecht überrannt. Nun hatten wir ein neues Problem, denn unser Gruppenraum reichte bei weitem nicht mehr aus. Dieses Mal hatten wir Glück, denn gleich nebenan ist ein Vereinslokal in dem uns ein großer Nebenraum zur Verfügung gestellt wurde. Seitdem finden unsere monatlichen Treffen in diesem Vereinsheim statt.

Die Treffen im ersten Jahr waren gefüllt mit Vorträgen und Präsentationen und wir hatten immer sehr regen Zulauf. An den Abenden waren immer zwischen 30 und 45 Personen anwesend. Mir ist es immer sehr wichtig die Betroffenen über die Erkrankung aufzuklären und sie zu unterstützen und zu beraten, soweit es möglich ist. Viele hatten anfangs auch eine gewisse Scheu in eine Selbsthilfegruppe zu gehen. Das Klischee einer Selbsthilfegruppe in der man in einem Stuhlkreis sitzt und jeder muss von sich berichten ist doch sehr in den Köpfen der Menschen. Sehr, sehr viele sind deshalb auch erstaunt wie locker es bei uns zugeht und vor allem dass es keinen Stuhlkreis gibt. Wäre auch angesichts der Größe der Gruppe gar nicht möglich. Wir haben in der Gruppe Mitglieder von jung bis alt und die allermeisten sind froh zu uns gestoßen zu sein. Dadurch sind sie aufgeklärt, wissen nun was ihnen zusteht und dass man auch aufgrund der Erkrankung z.B. eine Reha beantragen kann.

 

Im zweiten Jahr haben wir die ersten Treffen zum allgemeinen Austausch und besserem Kennenlernen gestaltet. Ich dachte auch, vielleicht wird die Gruppe etwas kleiner, wenn es nicht mehr diese Fülle an Informationen und Vorträgen gibt. Das war jedoch ein Irrglaube. Nach wie vor sind wir eine riesige Selbsthilfegruppe mit derzeit 104 Mitgliedern und Treffen mit einer Teilnehmerzahl zwischen 30 und 50. So gut wie bei jedem Treffen sind immer Neuinteressierte dabei. Auch ein Aquafitness-Kurs nur für uns Lily`s hatten wir schon in Programm. Seit über einem Jahr gibt es eine Laufgruppe die sich wöchentlich Mittwochs zum gemeinsamen Laufen trifft. Gemeinsame Besuche von Vorträgen und Veranstaltungen gehören ebenso dazu, wie auch schon diverse Workshops. Zwei Fotoshootings mit Jasmine Reimann, ein Mitglied unserer Gruppe, hatten richtig viel Spaß gemacht.  Auch haben sich aus der Gruppe heraus schon Freundschaften gebildet, die auch private Unternehmungen durchführen. Ärzte und Sanitätshäuser geben unseren Flyer gerne an Patienten weiter und empfehlen den Besuch der Selbsthilfegruppe zum Austausch.

Ich für mich muss sagen, eine Selbsthilfegruppe zu leiten bedarf sehr viel Engagement und Zeitaufwand, vor allem wenn diese groß ist. Es macht mir jedoch sehr viel Spaß mich um Referenten zu kümmern und die Treffen zu planen. Zufriedene und dankbare Mitglieder die regelmäßig kommen sind ein schönes Gefühl. Die Aussage z.B. „ ohne Euch wäre ich heute niemals so weit und ihr habt mir so toll geholfen „ macht einen immer wieder glücklich und bestätigt einen in seiner gemeinnützigen Arbeit.
Wichtig ist die Treffen abwechslungsreich zu gestalten. Die Unterstützung von Ärzten, Sanitätshäusern, Physiopraxen und Firmen anzunehmen. Sich zu erkundigen woher und für was bekomme ich Fördergelder und wie beantrage ich diese.
Wenn Ihr selbst eine Gruppe gründen möchtet, erkundigt Euch wer Euch unterstützt. Bei uns hier läuft es über die AOK (Pauschalförderung GKV für Selbsthilfegruppen) und KIGS. Ihr solltet immer mindestens zu zweit sein.

Viel Erfolg und Spaß beim Gründen und leiten einer Selbsthilfegruppe. Wenn Ihr Fragen habt dürft Ihr Euch gerne bei mir per Mail shg-lily-ludwigsburg@gmx.de melden.

Eure Ute Neitzel  

 

Selbsthilfegruppe gründen - Teil 1

Warum und wie hat Ute Neitzel die Selbsthilfegruppe Lily Ludwigsburg gegründet - Diese Fragen und mehr werden im heutigen Blogbeitrag beantwortet.

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