Teil 2: Wie ich die Zeit während meines Reha Aufenthaltes erlebt habe

Woche 1: Ankunft und erste Gespräche

Am Tag der Ankunft wurde ich erst einmal untersucht. Eine Schwester hat Blutdruck gemessen, ein EKG geschrieben, meine Körpergröße und mein Gewicht ermittelt. Als nächstes wurde ich von der Stationsärztin aufgenommen. Sie fragte mich nach meiner Krankheitsgeschichte, dem Ödem und sonstigen Dingen. Anschließend schaute sie sich mein Ödem an und führte noch kleine medizinische Untersuchungen durch. Als nächstes sprachen wir über meine Probleme mit dem Lymphödem und was ich verändern bzw. verbessern möchte. Natürlich klärte die Ärztin mich auch noch einmal über den Behandlungsablauf auf. Am nächsten Morgen bekam ich dann meine erste MLD (Manuelle Lymphdrainage). Anschließend sollte ich zum Volumenmessen. Dort wird dein Lymphödem vermessen und anhand einer Formel die eingeschlossene Menge Flüssigkeit errechnet. Diese Messung findet nochmal kurz vor der Abreise statt. Am folgenden Tag hatte ich nochmal ein Gespräch mit der Ärztin. Sie erklärte mir, was ich an Freizeitaktivitäten alles machen könnte und was sich auf mein Arm-Lymphödem besonders positiv auswirken würde. Es gäbe eine gesonderte Sportgruppe für Patienten mit einem Lymphödem im Arm und wenn mir das nicht zusagt, könnte ich auch Nordic Walking machen. Da ich die Natur und den Winter mag, habe ich mich für  Nordic Walking entschieden. Als nächstes besprachen wir noch meine kommenden Termine, dass man einmal in der Woche zur Gewichts- und Blutdruckkontrolle muss. Auf Grund leichter Bewegungseinschränkungen wurde noch eine Ultraschalluntersuchung gemacht. Nach zwei Tagen hatte ich meinen festen Tagesablauf. Zweimal am Tag muss ich zur MLD (immer mit bandagieren) und dann heißt es Bewegung , Bewegung, Bewegung. Am Wochenende war nicht viel los. Die meisten Patienten fahren in die nächste Stadt oder empfangen Besuch.

Beim gemeinschaftlichen Essen bekommt man ziemlich schnell Kontakt zu anderen Betroffenen. Man tauscht sich aus und erfährt dadurch, was die Anderen für Probleme mit ihrem Ödem haben. Man gibt sich gegenseitig Tipps und versucht sich zu helfen. Nach Therapieende unternehmen wir Patienten etwas miteinander.

Ich fühlte mich nach wenigen Tagen schon sehr wohl und bin sicher, dass mir die Menschen hier vor Ort helfen und genau wissen was ich brauche. Für mich war es auch sehr wichtig, dass ich einen Therapeuten bekomme, mit dem ich mich gut verstehe. Denn meiner Meinung braucht man für eine schnelle Genesung das innerliche Wohlbefinden. Jedenfalls verstehe ich mich mit meinem Therapeuten super und er hat nach wenigen Behandlungen gewusst, was mein Arm braucht. Gemeinsam haben wir dann über eine andere Vorgehensweise bzw. Verbesserung beim bandagieren nachgedacht. Es ist wahrscheinlich egal welchen Therapeuten\in ihr bekommt, denn fachlich sind sie alle super! Die Ärzte teilen euch nur Therapeuten zu, von denen sie denken, dass ihr gut zurecht kommt. Nach zwei Tagen konnte ich schon eine Verbesserung meines Lymphödems merken. Ich habe natürlich den Vorteil, dass mein Lymphödem schon vor der Reha immer regelmäßig behandelt wurde. Irgendwann kam die Frage in meinen Kopf auf, wie viel Flüssigkeit werde ich wohl verlieren? Schaffen wir es, dass mein Arm vielleicht so dünn wird wie der andere? Natürlich muss das Ziel auch machbar sein. Es bringt nichts sich was zu wünschen oder vorzunehmen, was nicht realisierbar ist. Deshalb habe ich diesen Gedanken ziemlich schnell verworfen um am Ende nicht enttäuscht zu sein.

Mein Fazit der ersten Woche: Ich bin angekommen und „aufgetaut“. Mein Lymphödem nimmt die Behandlung gut an und ich habe schon einige Bekanntschaften geschlossen. Ich bin gespannt, wie die anderen zwei Wochen werden.

 

Paul Lösche
Paul Lösche Schnee

Woche 2: Mein Reha-Aufenthalt

Nun bin ich schon zwei Wochen in der Lymphklinik und fühle mich von Tag zu Tag wohler. Weil mein Lymphödem die Therapie gut annimmt, brauche ich auch nicht länger bleiben. Ich hatte erst ein mulmiges Gefühl, was die Dauer meines Aufenthalts betrifft, weil ich eine kleine Tochter habe und am liebsten mit ihr und meiner Familie das Weihnachtsfest verbringen möchte. Aber nichtsdestotrotz würde ich natürlich hier bleiben wenn es aus medizinischen Gründen notwendig wäre. Am Tag des Heiligen Nikolaus bekamen wir alle am Morgen eine kleine Überraschung. Auf unseren Tellern lag ein kleiner „Hefe-Bubi“, wie mein Therapeut ihn bezeichnete. 
Abends besuchten uns sogar Nikolaus und Knecht Ruprecht! Es wurde gesungen und gelacht. Der eine oder andere hat sogar eine Rüge vom Knecht bekommen. Das war eine wirklich schöne Abwechslung zum Klinikalltag. Man fühlt sich hier als Patient wirklich wohl und vergisst ab und zu weswegen man eigentlich hier ist.

Meine berufliche Perspektive:

Am Mittwochvormittag hatte ich dann einen Termin beim Sozialdienst bezüglich meiner beruflichen Zukunft. Es war ein sehr nettes aufgeschlossenes Gespräch. Meine Stationsärztin hatte mir schon erklärt, dass es für mich eher kontraproduktiv ist, weiter so schwer körperlich zu arbeiten. Daher wusste ich in welche Richtung das Gespräch mit der Sozialarbeiterin geht. Natürlich ahnte ich das schon vor meinem Aufenthalt in der Klinik. In letzter Zeit wird es für mich immer schwieriger, körperlich schwere Arbeiten auszuführen. Die Sozialarbeiterin erklärte mir dann die weitere Vorgehensweise und gab mir noch einige Tipps. Nun ja, wir werden sehen was in dieser Richtung in meinem Leben noch so passiert. Es bleibt weiterhin spannend ;)

Trainingseinheiten:

Da die bereits erwähnte Ultraschalluntersuchung glücklicherweise keine Verengung meiner Blutgefäße ergab, sollte mein Therapeut meinen Bewegungsapparat mal näher unter die Lupe nehmen. Er schaute sich die Bewegung meiner Schulter und den Oberarm an, er suchte nach Verkapselungen und nach Einmauerung der Nerven. Dieses kann durch lymphatisches Gewebe passieren, das heißt, die Nerven werden durch das Gewebe verengt. Schlussendlich kam er zu dem Ergebnis, dass alles in Ordnung sei. Gemeinsam beschlossen wir, dass es am besten ist, die Muskulatur im Arm zu trainieren. Denn er vermutet, dass es möglicherweise von der langen Ruhephase herrührt, die ich aufgrund der Lymphknotenoperation hatte. Dadurch kann es zu einer Rückbildung der Muskeln kommen. Selbstverständlich hatte ich mit meiner Therapeutin zu Hause schon in dieser Richtung gearbeitet. Was auch super funktioniert hat. Wir werden sehen, ob es durch das Trainieren mit dem Gerät besser wird.

Nach einigen Trainingseinheiten am Zugapparat merkte ich schon eine Verbesserung meiner Kraft. Obwohl ich diese Zeit lieber draußen in der Natur verbracht hätte, muss ich zugeben: „das Training macht echt Spaß“. Obendrein tut es meinem Arm sehr gut. Am Wochenende blieb wieder genug Zeit für mich „Naturbursche“, durch die Wälder zu streifen. Am darauf folgenden Montag fing ich an, mit meinem Therapeuten meine selbstständige Bandagierung zu üben. Er nähte mir aus dem „unruhigen“ Material eine Art Strumpf. Damit ich nur hinein schlüpfen und die Binden drum herum wickeln brauch. Es ist nämlich um einiges schwieriger, einen Arm selbständig zu bandagieren als ein Bein. 

Eines kann ich euch sagen es ist Wahnsinn, wie schnell die Zeit hier vergeht. Die ersten paar Tage vergingen noch recht langsam. Aber mittlerweile verfliegt so eine Woche, rasend schnell. Und schon bald beginnt die letzte Woche meiner Reha. Inzwischen hatte ich auch meinen Termin in der Orthopädie-Abteilung. Dieser Termin findet meist 7-9 Tage vor der Abreise statt, um dann neue Kompressionsbekleidung mit nach Hause nehmen zu können. Ich bekomme einen neuen Armstrumpf und Handschuh. Darüber freue ich mich sehr, denn diese sind natürlich auf mein gut therapiertes Lymphödem angemessen. Außerdem haben die Frauen hier im Hause viel Erfahrung mit dem Anmessen der Bekleidung. Dadurch erhoffe ich mir einen optimalen Sitz und ein bestmögliches Ergebnis. Als ich erfuhr, dass die Bestrumpfung von JOBST® genommen wird, weil ich bereits Jobst Kompressionsbekleidung trage, habe ich mich sehr gefreut. Denn ich finde denn Druck der Bekleidung genau richtig und die Bewegungszone beim Armstrumpf ist für mich unverzichtbar.

 

Woche 3: Mein Reha Tagebuch

Meine letzten Tage in der Reha

Hallo ihr Lieben, nun neigt sich die letzte Woche meiner Reha dem Ende zu. Wenn ich so zurückblicke, ist es verrückt wie schnell die Zeit hier vergangen ist.  Mir kommt es so vor, als wäre ich erst eine Woche hier.
Man erlebt hier so viel und täglich kommen neue Eindrücke dazu. Wie einige von euch wissen, hatte ich ein Video- und Fototagebuch aufgenommen, um euch den Tagesablauf einer solchen Reha näherzubringen. Hoffentlich ist es mir gelungen und ihr hattet etwas Freude daran.

Paul Lösche Lymphdrainage

Der Kliniktag

Nun kommen wir erstmal zurück zu meiner letzten Woche in der Klinik.
Am ersten Tag der letzten Woche war nicht allzu viel los. Ich hatte wie immer meine beiden Therapien und anschließend habe ich etwas Sport gemacht. Am Donnerstag passierte da schon einiges mehr. Ich wurde gefragt, ob ich bei dem Kliniktag mitmache. Was ist ein Kliniktag?! Bei dem Kliniktag kamen Schüler der Physiotherapeuten-Schule und praktizierende Physiotherapeuten zu uns in die Klinik. Sie kamen hierher, um ihr theoretisches Wissen in der Praxis anzuwenden. Sie führten mit mir ein Vorgespräch, bei dem es um mein Lymphödem und andere Erkrankungen ging. Danach schauten sie sich genau meinen Bewegungsapparat an und stellten fest, dass es bei der Bewegung meines linken Arms leichte Defizite gibt. Was natürlich stimmt. Sie gaben mir noch einige Tipps für die Verbesserung meiner Bewegungsabläufe. Auf was ich mehr oder weniger Wert legen sollte. Natürlich kannte ich das eine oder andere schon, aber jeder Therapeut hat einen anderen Blickwinkel. Als wir damit fertig waren, führten sie bei mir eine Lymphdrainage durch. Nachdem die Therapeuten fertigen waren mit der Lymphdrainage wurde natürlich noch mein Arm bandagiert. Zum Schluss wünschte ich den Therapeuten noch viel Glück für ihre anschließende Abschlussprüfung des Lehrgangs.
Ich fand es hochinteressant zu erleben, wie junge Menschen die gerade erst die Theorie erlernt haben, Lymphdrainage und Bandagierung durchführen.
Nachmittags kam dann noch der Lehrer zu mir und überreichte mir als Dankeschön eine Rose. Das hat mich sehr gefreut, denn ich habe kein Dankeschön erwartet. Denn ich hatte mich eigentlich nur aus reiner Neugier und Wissensdurst zur Verfügung gestellt.

Die freie Zeit genießen

Am Freitag stand dann nochmal ein Termin bei der Sozialarbeiterin auf dem Plan. Wir sprachen über den Antrag und worauf ich beim Ausfüllen achten soll, anschließend noch über allerlei Dinge, die mich beschäftigten. Jetzt kenne ich die nächsten Schritte genau und weiß, was auf mich zu kommt.
Am nächsten Tag waren einige Mitpatienten und ich beim Skispringen. Das hat sehr viel Spaß gemacht! Es war für mich ein Highlight, zuzusehen wie die Frauen die Schanze herunter fahren und dann 100m weit fliegen. Da vergisst man alles um sich herum. Während des Zuschauens hatten wir viel Zeit zum Reden. Wir unterhielten uns über viele Themen, unter anderem auch über persönliche Erfolge der Einzelnen. Rundum war das ein wunderbarer Tag. Für mich war es am Ende irgendwie schon wie ein kleines Abschiednehmen. Sonntag war nicht viel los, also nutzte ich die Zeit, um meine letzte Runde durch die schönen Wälder zu drehen. 

Endspurt ist angesagt

Am Montag begann der Endspurt. Früh hatte ich ganz normal Therapie und danach das Abschlussgespräch mit der Stationsärztin. Sie bescheinigte mir, dass ich fleißig war, obwohl ich das reichhaltige Angebot der Sportgruppen gar nicht genutzt hatte. Wie ihr ja mittlerweile wisst, bin ich einfach nicht der Typ dafür. Meine Ärztin sprach nochmal den ganzen Verlauf der Therapie an und meinte, dass sich alles wunderbar entwickelt hat. Wir können auf das Ergebnis stolz sein. Sie machte mir noch Mut für meine Zukunft. Mittlerweile bin ich irgendwie ganz froh, dass es so gekommen ist. Ich bin gespannt, was die Zukunft für mich bereithält. Der Dienstag begann ganz früh, weil ich zum Fotografieren, Wiegen und Blutdruckmessen musste. Danach war ich beim Volumenmessen. Damit man das bestmögliche Ergebnis erzielt, wird erst kurz vor der Abreise gemessen.  Anschließend hatte ich dann noch meine beiden Therapien. Eine am Vormittag und die Andere am Nachmittag. Wieso der Zeitunterschied!?
Weil eine Lymphdrainage circa 2-2,5h wirksam ist, deswegen lässt man immer etwas Zeit zwischen den Therapiestunden. Nach meiner letzten Therapie verabschiedete ich mich noch von meinem Therapeuten. Ich habe ihn noch vorgewarnt, falls ich wieder kommen sollte, möchte ich von ihm behandelt werden ;). Nachmittags nutzte ich die Zeit und kaufte kleine Präsente für die Familie. Am Mittwoch früh war es dann Zeit, auf Wiedersehen zu sagen. Nach dem Frühstück packte ich meine letzten Sachen zusammen und trat die Heimreise an.

Nach 6 1/2 Stunden konnte ich endlich wieder meine Familie in die Arme schließen.

Was ich mir für die Zeit nach der Reha wünsche !?

Ich wünsche mir, dass der Jetztzustand meines Lymphödems so lange wie möglich bleibt.
Und das ich den Antrag von der Deutschen Rentenversicherung bewilligt bekomme. Außerdem wünsche ich Euch allen viel Erfolg bei der Behandlung eures Ödems. Dass Ihr genau so gute Erfahrungen bei solch einer Reha machen könnt wie ich.

 


Ich wünsche allen Lesern ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Euer Paul

 

Paul

Bei Paul wurde die Diagnose schwarzer Hautkrebs gestellt. Nachdem die Lymphknoten entfernt wurden, hat sich das Lymphödem im Arm entwickelt. Wie er seinen Arbeitsalltag als Anlagenmechaniker meistert, kannst Du Dir in seiner Geschichte anschauen.

Paul hat ein sekundäres Lymphödem im linken Arm. Die Diagnose wurde vor 3 Jahren gestellt.

Teil 1: Vorbereitung für den Reha Aufenthalt

Ihr kommt an einen schönen Ort, wo sich jemand nur mit euch und eurer Krankheit beschäftigt.

Mehr

Teil3: Fazit - Reha Aufenthalt

Nun bin ich schon seit zwölf Tagen wieder zu Hause und fühle mich gut und sicher im Umgang mit meinem Lymphödem. Es fällt mir leichter meinen Arm selber zu bandagieren...

Mehr