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Meine Ernährung bei Lipödem

Corinna Hansen-Krewer

Über die vergangenen Jahre habe ich persönlich verschiedene Ernährungsphasen durchlaufen. In meiner Lipödem-Hochphase vor meinen OPs bin ich, psychisch bedingt, in eine sehr schlimme und sehr unstrukturierte Phase reingerutscht. Durch die permanenten, unterschwelligen Schmerzen habe ich mich arg von dem Gefühl gegenüber meinem Körper distanziert. Ich habe versucht, alles zu verdrängen. Und somit natürlich auch die Tatsache, dass ich ja eigentlich Verantwortung meinem Körper und meinem Leben gegenüber habe. Dadurch lief, neben den Lipödemschmerzen, auch mein Gewicht aus dem Ruder. Das war eine zusätzliche Belastung für meine Psyche, ich befand mich in einer Abwärtsspirale. Im Grunde ein gravierender Fehler, den sehr viele Menschen machen, wenn sie merken, dass etwas anstrengend wird - anstatt erstrecht zu kämpfen, lässt man sich gehen. So ging es mir und das hatte Folgen..

Als ich dann die ersten 3 Operationen hinter mir hatte und zum ersten Mal eine Verbesserung des Gewebes und auch meiner Möglichkeiten, mich zu bewegen, spürte, legte sich anscheinend in meinem Kopf der Hebel um: 

Ich zog mir Sportkleider an und ging zum Sportplatz, wo ich am erstens Tag eine 100m-Bahn joggend schaffte. Ich sollte stolz auf mich sein, war es natürlich nicht - viel eher sauer, dass ich mich über die letzten Jahre so hatte gehen lassen. 

Es war hart. Ich fing damals mit 82 Kilo an, wechselte schwimmen mit laufen ab und stellte meine Ernährung um. Kein zusätzlicher Zucker, 3 feste Mahlzeiten am Tag und 2 Zwischenmahlzeiten. Natürlich abgewogen und sehr überwacht: Wenig Kohlenhydrate aus Nudel, Kartoffeln, kaum Brot (was ich eh nicht gut vertragen habe), dafür viel Obst und Gemüse, mageres Fleisch, viel Eiweiß. 

Und trotz dass ich Muskeln aufbaute und regelmässige Mahlzeiten zu mir nahm, was ich vorher auch nicht kannte, nahm ich ab. Ich war immer motivierter und fühlte noch tatsächlich gut. 

Meine neuen Lebensumstände wirkten sich nicht nur auf mein Gewebe aus, meine Haut wurde reiner, meiner Psyche ging es besser und am Ende waren insgesamt (mit einer kurzen Zu/+Abnahme von 3,4 Kilo) 17 Kilo weg.

Wie das Leben aber nunmal spielt, rutschte ich wieder in meine ungesunde Lebensweise ab und hatte schnell wieder einige Kilos drauf. 

Daher trage ich momentan im 9. Monat (nach 4 Schwangerschaften in einem Jahr mit sehr viel psychischer Belastung und wenig Kraft für ein gesundes Leben) tatsächlich über 90 Kilo mit mir herum, was bei meiner Mini-Größe, unter 1.60m, sehr sehr anstrengend ist. 

Mir fällt es im schwangeren Zustand auch verdammt schwer, mich sinnvoll zu ernähren, was sicherlich viele Frauen kennen, und deshalb geht es nach der Geburt erst wieder los für mich.

Mir ist klar geworden: 

So viele Kilos, wie gerade, möchte ich nie nie wieder mit mir rumschleppen, da mich das einfach unglücklich macht, mich einschränkt und ich mich definitiv so nicht attraktiv finde. 

Aber ich gebe mir Zeit, vom aktuellen Gewicht runterzukommen, denn erstens kam das Gewicht auch nicht innerhalb von 4 Wochen drauf und zweitens soll es ja auf gesundem Weg von statten gehen, damit ich es auch halten kann!

Was ich damit sagen möchte: Die OPs sind kein Freibrief. Die OPs stellen eine Schmerzreduzierung dar, aber keine Heilung der Erkrankung des Fettgewebes – es ist immens wichtig, dass man sein Leben so ausrichtet, dass man regelmäßig Sport treibt (auch, wenn er schmerzt!) und seine Lebensweise auf gesunde Art und Weise umstellt.

 

Eure Corinna

Aufgeben ist keine Option

Viele unter Euch kennen Sie bereits: Corinna Hansen-Krewer. Corinna ist 34 Jahre alt und an einem Lipödem erkrankt. Auf Euch wartet eine spannende Blogreihe - seid gespannt!

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