Lipödem vs. Magenbypass – und jetzt kämpfe ich erst recht

Ein Erfahrungsbericht von Katharina Schulze

Hallo Zusammen, 

Es gab eine Zeit als ich für mich entschieden hatte, dass ich halt so bin wie ich bin und dass ich mich nicht körperlich verändern werde. Da mir mein Umfeld wie Familie, Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen nie das Gefühl gegeben haben, wegen meinem äußerlichen Erscheinungsbild etwas tun zu müssen, gab ich es auf und ich war einfach nur „Ich“. Bis ich eines Tages mir dachte, so kann es nicht weitergehen. So jung und 150 kg schwer, keinen Freund aber ein heimisches Umfeld. Da kam die Frage, ob mir das für die Zukunft auch reichen würde?! 

Dies Gedanken weckten in mir einen kleinen Kampfgeist, der aber immer wieder niedergemäht wurde. Ich spielte zu diesem Zeitpunkt seit ca. 20 Jahren Handball, auch hier war mein Gewicht mir im Grunde total egal und trotz allem verlor ich den Mut mit dem Handball weiter zu machen. Ich suchte eine Selbsthilfegruppe für Adipositas auf und war zum ersten Mal wieder unter Gleichgesinnten. Das tat im ersten Moment einfach nur GUT. Nach weiteren Besuchen in der SHG, habe ich mich dazu entschlossen den Weg des Magenbypasses zu gehen. Ich fing mit dem multimodalen Konzept an, welches grob gesagt eine Ernährungstherapie, gezielten Sport und eine Verhaltenstherapie umfasst. Nebenbei musste ich für den Antrag zu dieser Operation viele Ärzte abklappern, um so viele Gutachten wie möglich zu sammeln. Bei meinem ersten Arzt handelte sich um meinen Venenarzt, der nachdem ich mein Anliegen vorgebracht habe, mich ausführlich untersuchte und ganz flach meinte: „Das mit der OP ist vielleicht nicht schlecht, um das gesunde Fett schnellst möglichst abzubauen aber die Ursache ihres Lip- und Lymphödems bekommen sie so nicht in den Griff.“ Zu diesem Zeitpunkt war ich erstmal Baff. Ich hatte Was? und Wie kommt das? und Warum höre ich das zum ersten Mal?

 

Ich habe wieder neuen Mut geschöpft, habe mir alles über diese Krankheit erklären lassen und alles Weitere in die Wege geleitet. Ich habe mir eine Kompressionsstrumpfhose anfertigen lassen und zwei Mal in der Woche bin ich zur manuellen Lymphdrainage gegangen, aber das kennt ihr ja alles.

Trotz der Diagnose des Arztes beschloss ich für mich, dass ich trotzdem mit allem weiter mache. Ich sammelte alle Gutachten und schmiss mein ganzes Leben für die manuelle Lymphdrainage um. Zwischenzeitlich habe ich durch eine wunderbare Freundin einen Wahnsinnsmann kennen gelernt. Martin unterstütze mich in allen Belangen und ist bis heute meine bessere Hälfte.

Nach 1,5 Jahren hatte ich ca. 22 kg abgenommen, es stellte sich nun die Frage, ob ich ohne OP weiterkämpfe oder nach Abschluss des multimodalen Konzeptes den Magenbypass machen lasse. Nach langem Überlegen entschied ich mich für das Letztere. Am 18.10.16 lies ich mir einen Magenbypass legen und seitdem ist meine Lebensqualität, um ein Vielfaches gestiegen. Heute habe ich insgesamt 60 kg abgenommen und ich würde sagen, dass mein eingeschlagener Weg einfach der Richtige war und ich ihn nicht bereue. Klar der Magenbypass war eine radikale Maßnahme mein Gewicht so schnell wie möglich loszuwerden aber es ist auf garkeinen Fall ein Selbstläufer. Man muss in Sachen Ernährung, Sport und Verhalten sein ganzes Leben auf den Kopf stellen.

Ich besuche immer noch zwei Mal die Woche die manuelle Lymphdrainage und trage meine Kompressionsstrumpfhose. Ich bin leider viel druckempfindlicher geworden, aber alles in Allem liebe ich mein derzeitiges Leben. Nichts wird mich bremsen, ich werde immer weiterkämpfen. Das Lymphödem habe ich soweit im Griff und das Lipödem werde ich weiterhin in Schach halten so gut es geht und nach derzeitigem Befinden stehen vorerst keine weiteren Operationen an. Trotzdem werde ich den Verlauf des Verfahrens zur Kostenübernahe der Liposuktion durch die Krankenkassen weiter beobachten. 

Eure Katharina