(copy 3)

Lipödem bei Mutter und Tochter

Wenn die Krankheit Lipödem auch bei der Tochter festgestellt wird.

Die Krankheit Lipödem wird oftmals genetisch vererbt.

Deshalb befürchten Frauen, die an einem Lipödem erkrankt sind, häufig, dass auch ihre Tochter ein Lipödem hat. So auch Sandra, Lipödem-Betroffene, die nach ihrer Diagnose ebenfalls die Vermutung hatte, dass ihre Töchter ein Lipödem haben.

Wir haben ein Interview mit Mama Sandra und Tochter Madeleine geführt und gefragt, wie es zur Diagnose kam und wie sie damit umgehen!

 

Ihr seid Mutter und Tochter und seid alle 3 von der Krankheit Lipödem betroffen. Wie kam es zu der Diagnose Lipödem?
Ich, Sandra ließ mir im Februar 2015 einen Magenbypass setzen und verlor an Gewicht. Bei meinem ersten Kontrolltermin wurde mir gesagt, dass ich schon ein tolles Ergebnis habe und ich mir kein großes Ziel setzen soll, da ich an der Krankheit Lipödem leide. Anfangs war ich sehr geschockt, da ich von der Diagnose keine Ahnung hatte. Ich habe mich über die Krankheit aufklären lassen, da ich mich mit dieser auch nicht auskannte. Nach der Diagnose hatte ich große Angst, dass meine Töchter ebenfalls an dieser Krankheit leiden könnten. Ich beschloss ein Termin beim Phlebologen zu machen, um abklären zu lassen wie es bei meinen Töchtern ist. Sind sie auch von der Krankheit Lipödem betroffen? Leider stellte sich genau das, was mir am meisten Angst machte, heraus. Meine beiden Töchter leiden ebenfalls an der Krankheit.

 

 

War es für Dich als Mutter recht schnell klar, dass Deine Töchter auch davon betroffen sind?
Aufgrund dessen, dass ich mich über die Symptome aufklären lassen habe, ist mir bewusst geworden, dass es auch bei meinen Töchtern zu einer Diagnose kommen könnte. Madeleine hat schon immer kräftigere Beine gehabt, aber der Rest vom Körper war schlank. Daraufhin schoben wir die kräftigen Beine immer auf den Sport, den sie getrieben hat. In dem letzten Jahr, vor der Diagnose 2016, ist sie trotz Sport und gleichbleibender Ernährung an den Beinen und Hüfte immer mehr geworden. Sie klagte über Schmerzen in den Beinen, welche sich teilweise krampfartig anfühlten.  Aufgrund dessen habe ich mir denken können, dass sie die Diagnose ebenfalls erhalten wird, wollte dies aber nicht wahrhaben. Madeleine zog vor 1,5 Jahren mit ihrem Freund Roy zusammen, der sie in ihrem Vorhaben mit den Liposuktion unterstützt und ihr zur Seite steht. Sie selbst hat Stadium II bis III. Nach Beendigung ihrer Ausbildung zur Erzieherin, geht es bei ihr mit den Liposuktionen los. Bei meiner kleinen Tochter Anna ist es vom Umfang her nicht mehr geworden, sie hat das Stadium I und sagt immer, dass sie nichts davon hören möchte. Für ihre Ausbildung zur Krankenschwester, ist sie mit ihrem Freund Maximilian nach Lehrte gezogen.

 

Wenn Ihr gemeinsam einen Mutter-Tochter-Tag verbringt, wie würde der aussehen?
Wir haben ein sehr enges Verhältnis zueinander, sodass wir täglichen Kontakt haben. Fast schon wie beste Freundinnen. Wenn es die Zeit nicht zulässt (wir machen zurzeit alle drei eine Ausbildung) das wir uns sehen, dann telefonieren wir mindestens einmal kurz am Tag.  Wir merken sofort, wenn es der Anderen nicht gut geht und hören uns gegenseitig zu. Durch den täglichen Kontakt gibt es keinen speziellen Mutter-Tochter-Tag. Unsere Zeit, welche wir zusammen verbringen, besteht aus vielem Lachen, Zicken, Termine wahrnehmen und gemeinsam was erledigen. Wir lieben es Kaffee in einem tollen Cafe zu trinken. Wenn es zeitlich passt, begleiten wir uns auch mal gegenseitig zur Lymphdrainage.

 

Wie geht Ihr mit den Blicken Anderer um?
Die Blicke von Anderen kommen immer an, dennoch lassen wir uns nicht unterkriegen. Wir sind unperfekt perfekt und lächeln den Menschen an, die uns anschauen und vielleicht sogar  auch tuscheln - wegschauen hilft hier nicht, wir müssen Aufklärung schaffen, das geht nur wenn wir uns den Blicken stellen – ich spreche  einige auch an und sagt ihnen, dass sie vielleicht einfach erst mal Fragen sollten, bevor sie urteilen. Dann geht es mit einem Lächeln im Gesicht weiter und weiter.


Was gibst Du, Sandra, Deinen Töchtern mit auf dem Weg?
Ich stehe meinen Töchtern in jeder Lebenslage und Situation bei. Ich mache ihnen Mut, ihr Leben so zu leben wie Sie es möchten. Sie sollen sich trauen und ausprobieren – sich weiterentwickeln.  Arzttermine und das Ausmessen für Kompressionsstrümpfe bestreiten wir gemeinsam. Ich bin einfach für sie da und gebe ihnen das Gefühl von Sicherheit. Vor allem bei den zukünftigen Operationen unterstütze ich sie, indem ich einfach ihre „Händchen“ halten werde. Wenn Zweifel aufkommen, versuchen wir diese gemeinsam zu meistern….

 

Hast eventuell auch Du, Madeleine, als Tochter, Tipps für Deine Mama? Könnt Ihr Euch da gegenseitig gut austauschen und unterstützen?
Ich gebe Mama im Alltag sehr viel Mut und Stärke, indem ich ihr gut zu rede. Außerdem sage ich ihr immer, dass wir diese Krankheit haben, weil wir stark genug sind diese auszuhalten. Bei Zweifeln spreche ich Mama gut zu und sage ihr, dass wir das gemeinsam schaffen. Ich begleite sie gerne zu ihrer Lymphdrainage, da wir dieselbe Lymphqueen, die ebenfalls am Lipödem leidet, haben und wir uns gemeinsam austauschen können.  Wir teilen unsere Erfahrungen aus und gehen gemeinsam zum Schwimmen. Außerdem motivieren wir uns gegenseitig den Alltag in Kompression zu meistern.


Wir, das LymphCare Team, möchten uns bei Sandra und Madeleine für die offenen Worte bedanken. 

Beide sind so wundervolle Menschen und strahlen trotz der Krankheit so viel Lebensfreude aus.

Wir wünschen Euch für die Zukunft alles Gute!

 

Autoren: Sandra, Madeleine und LymphCare

Austausch im Forum

Tausche Dich mit anderen Betroffenen über dieses Thema aus.

Mehr dazu