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Gewicht & Kleidung

Eine Blogreihe von Corinna Hansen-Krewer

Corinna Hansen-Krewer

Die letzten Jahre ging es mit meinem Gewicht auf und ab. Vor den Lipödem-Operationen stieg mein Gewicht leider stetig an, im Endeffekt bis auf 84 Kilo. Das Problem war einerseits die Schmerzhaftigkeit, die immer unterschwellig vorhanden war, die mich daran hinderte, mich viel zu bewegen. Andererseits die unendliche Traurigkeit und Frustration, einfach gar nichts an meiner Situation ändern zu können, was zu Frustessen führte und mir, natürlich nachvollziehbar, noch zusätzliche Kilos bescherte.

Zu dem Zeitpunkt weigerte ich mich, neue Kleider zu kaufen. Ich konnte und wollte mir einfach nicht eingestehen, nach solch großen Größen gucken zu müssen, die mir dann passten. Es tat mir in meinem Herzen weh, weil mir vor noch nicht allzu langer Zeit 36er Hosen und auch Oberteile passten.
T-Shirts kaufte ich im Lidl, preiswert, weil es sich ja nicht lohnte, etwas Teures zu kaufen, da ich ja SO auf keinen Fall bleiben wollte. Und Hosen, ja Hosen hatte ich tatsächlich nur 2, eine normale schwarze und eine Leggings, die ich abends wusch, um sie morgens wieder anzuziehen.

Corinna Hansen-Krewer

Die Operationen haben nicht sonderlich viel auf der Waage verändert, aber durch die Schmerz-Reduzierung konnte ich wieder mit Sport anfangen. Ich ging 2x pro Woche ins Schwimmbad und wagte mich auf den nahe gelegenen Sportplatz. Anfangs schaffte ich kaum 100m, am Ende waren es tatsächlich volle 7 Kilometer, auf die ich sehr stolz war. Zum Sport trug ich anfangs weite Flatterhosen, die meine dicken Beine kaschierten. Als sich nach und nach etwas an meinem Umfang tat, konnte ich auch den Schritt mit einer enganliegenden Leggings aus dem Haus wagen, ohne mich zu schämen.

Parallel habe ich meine Ernährung umgestellt und über diese Zeit 17 Kilo abgenommen. Kleidungstechnisch gab es in dieser Zeit nicht viel weniger Probleme, da mein Hintern nicht mit operiert wurde - laut Arzt wäre am Gesäß kein Lipödem. Das Gewebe veränderte sich zunehmend. Passten die Hosen an den Beinen, war der Hintern das Problem, passte die Hose am Hintern, war die Hose über dem Hintern zu weit und stand ab. Mit einer Größe von 1.57m hatte ich ohnehin nicht so viel Auswahl, ich musste gucken, dass es harmonisch aussieht, was mir wegen meinem überdimensionalen Hintern schwer fiel. 

Inzwischen habe ich aufgrund von mehreren Schwangerschaften verschiedene Hormonschübe durchlaufen, was sich nicht positiv aufs Gewebe ausgewirkt hat. Ich trage momentan noch mindestens 10 Schwangerschaftskilos mit mir rum, die unbedingt noch schmelzen sollen, damit ich wieder in einigermaßen normale Hosen passe – momentan müssen nämlich noch die Umstandshosen herhalten. Mein Ziel ist es, mindestens 10 Kilo abzunehmen, um dann endlich einmal ordentlich shoppen gehen zu können um mich danach auch daran erfreuen zu können. Denn manchmal ist es einfach wichtig, sich Gutes zu tun, auch wenn man noch weit entfernt von seinem eigentlichen Ziel ist. Kleine Schritte dürfen auch belohnt werden. Und sei es nur der Schritt aus dem Bett an einem Tag, an dem es einem richtig mies geht. Dann ist eben das Aufstehen das Ziel an genau diesem Tag. Ich glaube, wir Frauen neigen oft dazu, uns hohe Ziele zu setzen, die uns dann wiederum unter Druck setzen. Vielleicht kommen wir mit kleinen Schritten nicht ganz so schnell ans Ziel, dafür glücklicher und entspannter..?
 

Eure Corinna

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Viele unter Euch kennen Sie bereits: Corinna Hansen-Krewer. Corinna ist 34 Jahre alt und an einem Lipödem erkrankt. Auf Euch wartet eine spannende Blogreihe - seid gespannt!

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