Aufgeben ist keine Option!

Eine Blogreihe von Corinna Hansen-Krewer

Ich bin Corinna Hansen-Krewer, 34 Jahre alt und am Lipödem erkrankt. Inzwischen habe ich 3 OPs und 2 Korrektur-OPs hinter mir und kann inzwischen sagen, dass mir die OPs mein Leben gerettet haben. Allein mit Kompressionsversorgung und Lymphdrainage konnte ich meine Erkrankung nicht aufhalten und auch nicht genügend regulieren, dass ich mit dem permanenten Schmerzen zurecht gekommen wäre. Deswegen habe ich gespart und mir Geld geliehen und parallel meine Krankenkasse verklagt, um mir endlich die schmerzlindernden OPs leisten zu können.

Momentan bin ich schwanger im 3. Trimester und merke, wie sehr die Hormone meinen Körper beeinflussen. Meine erste Schwangerschaft vor 8 Jahren hat das Fass damals zum Überlaufen gebracht und nach der Geburt ging mein Körper innerhalb von 2-3 Monaten in die Breite und ich musste von 36er Hosen auf 42er umsteigen. Die OPs erfolgten dann 2014-2016.

Nach der enormen psychischen Belastung von 3 erfolglosen Schwangerschaften in einem Jahr - und 1 bisher andauernden Schwangerschaft ist mir bewusst, dass ich im momentanen Zustand meine körperlichen Veränderungen annehmen muss, auch wenn es schwer fällt. Mein Gewebe hat sich stark verändert durch das Hormonchaos sowie den psychischen Druck. Ich habe wieder vermehrt Besenreißer bekommen, teilweise wirkt mein Gewebe an den Beinen knotig, kalt und es kommt auch wieder vermehrt zu Schwellungen. Ich kann mich manchmal nur sehr schwer so akzeptieren.

Ich versuche mich zu beruhigen, weil eine Schwangerschaft nun mal vermehrtes Gewicht mit sich bringt und relativ viele Frauen unter hormonell bedingten Wassereinlagerungen zu leiden haben.
Allerdings ist die psychische Belastung halt einfach schon gegeben, wenn man sich seit Jahren mit einem Ausgangszustand rumschlagen muss, den man weder regulieren, noch groß beeinflussen kann.

Ich weiß, wie schwer es einerseits ist, Schmerzen auszuhalten, der Bewegungseinschränkung ausgeliefert zu sein und parallel dagegen ankämpfen muss, dass die Psyche immer schwächer wird und immer mehr einknickt, weil man sich selbst nicht so leicht akzeptieren kann und die Menschen um einen rum auch noch dafür sorgen, dass man sich selbst immer mehr in Frage stellt: Blicke, Worte und Gesten können so verletzend sein.

Nichtsdestotrotz ist es für mich unendlich wichtig, dass ich versuche, bei mir zu bleiben. Dass ich mir bewusst mache, dass ich zwar eine Erkrankung habe, sie mich aber nicht umbringen wird. Dass ich durch Sport, Bewegung, Entspannung, Ernährungsumstellung viel beeinflussen kann. Zwar nicht beheben, aber immerhin beeinflussen.

Es ist für mich wichtig, auch wenn es Tage gibt, die mich umhauen, die mich schwach und klein und traurig sein lassen, dass es immer weiter geht. Dass es nie einen Stillstand gegeben wird, so lange ICH gewillt bin, etwas zu tun und immer wieder aufzustehen.

Dass ich nur ein Leben habe und ich alles dafür tun kann und will, damit ich nicht auf einer Stelle stehen bleibe, mit mir hadere und mich aufgebe, sondern immer wieder aufs Neue weitergehe. Selbst kleine Schritte führen irgendwann zu einem gegangenen Meter. Ich darf einknicken. Aber aufgeben ist keine Option!

 

Meine Ernährung beim Lipödem

"Eine Liposuktion ist kein Freibrief. Die OP stellt eine Schmerzreduzierung dar, aber keine Heilung der Erkrankung des Fettgewebes"

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